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Rechtliches

Wann ist Videoüberwachung am Arbeitsplatz zulässig?

Artikel vom 14. September 2021
Ein Unternehmen kann verschiedene Intentionen verfolgen, wenn das Thema Videoüberwachung am Arbeitsplatz auf den Tisch kommt. Der Verdacht des Diebstahls ist nur eines der Dinge, die den Wunsch nach Mitarbeiterüberwachung aufflammen lassen können. Dies kann sich sowohl auf materielle als auch auf immaterielle Güter beziehen.

Immer mehr Arbeitnehmer nutzen das Homeoffice. Nicht zuletzt auch aufgrund der aktuellen Situation. Dadurch wird aus Unternehmersicht ein Kontrollverlust in Bezug auf Arbeits- und Pausenzeiten augenscheinlich. Doch, wie kann man diesem Umstand Abhilfe schaffen?

Eine Möglichkeit ist die Kameraüberwachung des Arbeitsplatzes. Um diese jedoch regelkonform durchzuführen, gilt es einige Punkte zu beachten. Welche diese sind, werden wir Ihnen in unserem heutigen Blogartikel näherbringen.

Welche Umstände können eine Videoüberwachung am Arbeitsplatz rechtfertigen?

Aus Arbeitgebersicht gibt es vielfältige Gründe für den Bedarf nach einer Videoüberwachung: Die Annahme, dass es vermehrt zu Diebstählen kommt, ist nur ein möglicher Anwendungsbereich. Auch die Vermutung, dass der Mitarbeiter sich während der Arbeitszeit zunehmend mit privaten Dingen beschäftigt, kann den Ausschlag geben.

Darüber hinaus sind zu lange Pausen oder auch das zu frühe Beenden der Arbeit die Top-Gründe, warum Arbeitgeber das Bedürfnis nach Videoaufzeichnungen verspüren.

Welche Regeln gelten nun im Einzelnen? Was ist zulässig und welche Voraussetzungen müssen geschaffen sein?

Speicher- und Aufzeichnungsdauer sowie Beweisverwertungsverbot sind wichtige Eckpfeiler, die es hier zu beachten gilt. Damit Sie mit Ihren Videoaufzeichnungen auf der sicheren Seite sind, lesen Sie unbedingt unseren Artikel bis zum Schluss.

Videoüberwachung am Arbeitsplatz: Welche Regeln gelten?

In unseren Ratgebern finden Sie bereits einen umfangreichen Artikel zu den generellen Rechtlichen Grundlagen der Videoüberwachung. In aller kürze möchten wir die wesentlichen Punkte für den Arbeitsplatz hier darstellen.

Sie sollten sich vorab klarmachen, für welchen Zweck Sie die Überwachung installieren möchten. Da hier gleich mehrere Vorschriften ineinandergreifen, wie beispielsweise das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) und die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), kann es sonst zu hohen Geld- oder gar mehrjährigen Haftstrafen kommen.

Eine wichtige Grundlage bildet eine Einverständniserklärung. Ein Muster dieser Erklärung finden Sie weiter unten auf unserer Seite.

Weiterhin wäre hier das Recht am eigenen Bild zu nennen. Darüber hinaus stellt eine Überwachung des Arbeitnehmers per Video prinzipiell einen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht dar. 

Außerdem bedarf es bei der Verarbeitung personenbezogener Daten der Einwilligung.

Auch sind Arbeitnehmer durch das Bundesarbeitsgericht geschützt: Sie unterliegen der Schutzwürdigkeit durch den Arbeitgeber. Dies soll sicherstellen, dass die ergriffenen Maßnahmen nicht unverhältnismäßig sind. Ein einschneidender Eingriff in die Grundfreiheiten wäre zum Beispiel das Aufzeichnen von Gesprächen in der Kaffeeküche.

Arbeitnehmer sollten sich trotz aller Überwachung noch frei äußern dürfen. Deshalb gilt auch der Grundsatz der tonlosen Aufzeichnung.

Beachte: Das Einverständnis zur Videoaufnahme ist schriftlich einzuholen. Der Mitschnitt des Tons ist rechtswidrig. 

Wer jetzt auf die Idee kommt, einfach Attrappen zu installieren, wird leider enttäuscht. Nur, weil die Videokamera funktionsuntüchtig ist, heißt es nicht, dass dafür nicht die gleichen Spielregeln gelten.

Das Einverständnis zur Videoaufnahme ist immer schriftlich einzuholen. Der Mitschnitt des Tons ist rechtswidrig, weshalb Sie unbedingt darauf achten sollten, diese Spur zu deaktivieren. Es sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass der Mitarbeiter kein Mitbestimmungsrecht bei der Auswahl Ihres Equipments hat.

Einverständniserklärung zur Videoüberwachung am Arbeitsplatz

Um die Videoüberwachung datenschutzkonform einführen zu können, haben wir Ihnen eine Mustervorlage angefertigt. Diese soll Ihnen einen ersten Überblick liefern. Bitte modifizieren Sie diese Vorlage nach Ihren Bedürfnissen und finalisieren Sie sie mit einem Anwalt:

Einverständniserklärung zur Videoüberwachung am Arbeitsplatz

Diese Vereinbarung wird getroffen zwischen

[Firma/Arbeitgeber]

und

[Arbeitnehmer]

Es wird die folgende Vereinbarung zur Videoüberwachung gemäß Datenschutzgesetz getroffen. Diese ist eindeutig, freiwillig und jederzeit schriftlich widerrufbar.

Die vorgesehenen Überwachungskameras dienen dazu, die Mitarbeiter und das Unternehmen vor den folgenden Gefahren zu schützen:

  • Überfällen,
  • Einbruch und Vandalismus,
  • Diebstählen sowie
  • der Strafverfolgung dieser Tatbestände.

Die Arbeitszeiterfassung erfolgt nicht über diese Videoaufnahmen.

Die Standorte der Videoüberwachung werden im Folgenden aufgelistet. Bitte kreuzen Sie hierbei an, welchen Standorten Sie zustimmen:

⧠ Videokamera 1: [Standort]

⧠ Videokamera 2: [Standort]

 

[Ort, Datum]

……………………………………………………                                    ………………………………………………
[Unterschrift des Arbeitnehmers]                                           [Unterschrift des Arbeitgebers]

Für eine dauerhafte Überwachungsmaßnahme integrieren Sie am besten die Einverständniserklärung in Ihre Betriebsvereinbarung. Gibt es in Ihrem Unternehmen einen Betriebsrat, sollten Sie diesen unbedingt in die Abstimmung integrieren. So agieren Sie in Einklang mit geltendem Recht.

Eine Videoüberwachung bedarf eines sogenannten berechtigen Interesses des Arbeitgebers. Was versteht jedoch der Gesetzgeber darunter?

Als Unternehmer haben Sie das Hausrecht respektive das Eigentumsrecht zur Wahrung Ihres Firmeneigentums inne. Dies bedeutet, wenn es Anhaltspunkte gibt, die auf einen Diebstahlverdacht hindeuten, ist die anlassbezogene heimliche Überwachung zur Aufdeckung der Straftat möglich.

Interessant: Nicht allein der Schutz ihres Eigentums wird durch eine professionelle Videoüberwachung gewährleistet. Darüber hinaus kann das Monitoring des Arbeitsalltages zu einer verbesserten Feedbackkultur führen. 

Bitte beachten Sie jedoch hierbei, dass diese Überwachung unbedingt zeitlich begrenzt sein muss. Außerdem darf, wie bereits erwähnt, unter keinen Umständen der Ton mitgeschnitten werden. Wie die diesbezüglich geltenden Fristen lauten, erklären wir Ihnen im weiteren Verlauf unseres Artikels.

Videoüberwachung am Arbeitsplatz: Vor- und Nachteile

ProContra
Monitoring des Arbeitsalltags für besseres FeedbackAngst vor Kontrollverlust durch die Beschäftigten
Gleichberechtigung aller BeschäftigtenBeschäftigten haben Angst, dass jeder ihrer Schritte bewertet wird
Schutz vor Überfällen
Potenzielle Einbrecher und Vandalen werden abgeschreckt
Diebstahlschutz
Wie Sie anhand unserer Darstellung unschwer erkennen können, sind die Vorteile einer Videoüberwachung enorm.

Die präventive Kameraüberwachung des Verkaufsraumes beispielsweise kann potenzielle Einbrecher abschrecken. Oder auch internen Betrug verhindern, indem Mitarbeiter davon abgehalten werden, den Kassenbereich zu plündern.

Aber nicht allein der Schutz ihres Eigentums wird durch eine professionelle Videoüberwachung gewährleistet.

 Darüber hinaus kann das Monitoring des Arbeitsalltages zu einer verbesserten Feedbackkultur führen. Gerade im Homeoffice liegt es nah, dass man den Anschluss an seine Mitarbeiter verliert und deshalb keine Aussage über deren Verhalten treffen kann. 

Mögliches Fehlverhalten geht gänzlich unter. Nicht so mit unseren modernen Videokameras.

Quiz: Kennen Sie sich aus mit der Videoüberwachung am Arbeitsplatz?

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Speicherfrist von Daten der Videoüberwachung

Die Videoüberwachung, im Speziellen die heimliche, muss sofort enden, wenn der Zweck der Überwachung erfüllt ist. Damit einher geht die unverzügliche Löschung aller Aufzeichnungen. Die Zweckerfüllung kann beispielsweise dann vorliegen, wenn der Tatbestand des Diebstahls bestätigt worden ist.

Gemäß des Grundsatzes der Speicherbegrenzung und Datenminimierung gilt es, so wenig wie möglich personenbezogene Daten zu verarbeiten und entsprechend zu speichern. 

Weiterhin unterliegen die Aufnahmen, selbst mit Zustimmung der Arbeitnehmer, Löschfristen. Das bedeutet, dass diese Aufzeichnungen regelmäßig, jedoch spätestens nach zehn Tagen, endgültig gelöscht werden müssen. Diese Löschfristen sind stringent einzuhalten.

Fazit zur Videoüberwachung am Arbeitsplatz

Die Videoüberwachung des Arbeitsplatzes kann präventiv sehr hilfreich sein. Wichtig ist hierbei, die Mitarbeiter von Beginn an über Sinn und Zweck der Videoaufzeichnungen zu informieren. 

Ein gut vorbereitetes Kickoff-Meeting kann Synergien schaffen und die Wahrnehmung in Richtung Schutzfunktion der Kameras stärken.

Es sollten dabei klar die Präventionsvorteile herausgestellt werden, um mögliche Vorurteile ausräumen zu können.

 Je deutlicher Sie hier die Funktionsweise und die Intention hinter der Videoaufzeichnung kommunizieren, desto mehr können Sie das Vertrauen der Mitarbeiter in diese Maßnahme stärken.

Gerade in Unternehmenszweigen, in denen es vermehrt zu externem Diebstahl kommt, kann diese Maßnahme so abschreckend wirken, dass die Diebstahlrate massiv sinkt. So fühlen sich die Mitarbeiter sicherer, aber auch der damit einhergehende Verwaltungsaufwand entfällt.

Sie sollten ebenfalls betonen, dass Ihre Feedbackkultur sehr von dieser Maßnahme profitieren kann. Um dies zu bestätigen, können Sie messbare Ziele vereinbaren, die beispielsweise ein halbes Jahr nach Beginn der Maßnahme evaluiert werden. Dieses verbesserte Feedback kann das Vertrauen in die Maßnahme und deren Weiterführung ebenfalls extrem stärken.
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Häufige Fragen zur Kameraüberwachung am Arbeitsplatz

Was darf der Arbeitgeber überwachen?

Nach vorheriger Zustimmung durch die Angestellten darf prinzipiell alles überwacht werden, außer die privaten Räumlichkeiten. Hierzu zählen beispielsweise die Sanitär- und Umkleideräume.

Ist Videoüberwachung als Schutz vor Diebstahl am Arbeitsplatz erlaubt?

Die präventive Überwachung kann gerade externe Diebe vor Übergriffen abhalten. Jedoch gilt auch hier die Informationspflicht des Arbeitgebers gegenüber seinen Mitarbeitern und gegebenenfalls der Einbezug des Betriebsrates.

Erlauben das neue BDSG und die DSGVO eine Videoüberwachung am Arbeitsplatz?

Ja, die Videoüberwachung ist erlaubt, solange der Beschäftigte ausreichend darüber informiert wird und die Zustimmung freiwillig erfolgt.

Wann ist eine heimliche Videoüberwachung am Arbeitsplatz erlaubt?

Die heimliche Überwachung ist in nur Ausnahmefällen gestattet, wie beispielsweise bei Verdacht auf eine Straftat.

Disclaimer: Die Ausführungen in diesem Artikel stellen nur eine Orientierungshilfe dar. Sie erfolgen ohne Gewähr und können den rechtlichen Rat im Einzelfall nicht ersetzen. Konsultieren Sie daher vor der Installation und Inbetriebnahme von Überwachungskameras ggf. einen spezialisierten Juristen.